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Design Based Research

Design Based Research oder abgekürzt DBR ist in Deutschland vor allem unter dem Begriff „(Fachdidaktische) Entwicklungsforschung“ bekannt. Siehe hierzu auch den Beitrag von S. Prediger et al über die Fachdidaktische Entwicklungsforschung im Dortmunder Modell in MNU 8/2012.

Grundsätzlich versucht DBR einen Beitrag zur Lösung der „Glaubwürdigkeitskrise“ der Fachdidaktik zu leisten. Empirische Bildungsforschung verlangt nach hoher wissenschaftlicher Rigidität. Die zu untersuchenden Variablen sollten demnach - wie in den empirischen Wissenschaften üblich - möglichst genau kontrolliert, Kontexteinflüsse minimiert werden. Unterrichtsgeschehen ist aber komplex, dynamisch und kreativ; die individuelle Persönlichkeit des Lehrers sowie die konkrete Unterrichtsorganisation vor Ort sind dominante Faktoren für den Lernerfolg - siehe hierzu die Meta-Studie von Hattie (2009) - und können für praxistaugliche Erkenntnisse schlecht ignoriert oder eliminiert werden.

Wir beziehen uns für die Planung und Durchführung unserer Studien im Unterrichtskontext direkt auf die Vorgaben des Design-Based Research Collective (2003). Die wesentlichen Leitlinien für ein DBR Projekt kann man demnach folgendermaßen wiedergeben:

  1. Das Design von Lernumgebungen muss verknüpft sein mit der Weiterentwicklung von Theorien des Lernens.
  2. Es findet ein Kreislauf von Design, Durchführung, Analyse und Redesign statt.
  3. Das Ziel sind übertragbare Theorien, die zwischen Forschung und Praxis ausgetauscht werden. Diese Theorien werden je nach Autor als „Prototheorien“ (Hoadley), „Mikrotheorien“ (diSessa) oder „lokale Theorien“ (Prediger et al.) bezeichnet und sollen sowohl Einsichten in die realen Lehr-Lernprozesse in Schulen ermöglichen, als auch Prognosen und echte Handlungsleitlinien für das Lehrpersonal vor Ort bieten.
  4. Die Forschung soll untersuchen, wie sich bestimmte „Designs“, also klar definierte und mit brauchbaren Materialien ausgestattete Unterrichtsgänge, in echten Unterrichtssituationen bewähren. Die Reaktion aller Prozessbeteiligten - Schüler, Lehrer, Schulleitung und Eltern - auf die neuen Konzepte ist Gegenstand des Forschungsinteresses. Der Kontext „Schule“ wird nicht eliminiert, sondern mit einbezogen und soll die Erkenntnisse für die eigene Weiterentwicklung nutzen können.
  5. Entsprechend müssen die Forschungsmethoden so gewählt werden, dass sie den Verlauf des Unterrichtsversuches und die Interaktionen der Betroffenen dokumentieren und Ursache/Wirkungszusammenhänge aufklären.


Der Kreislauf von Design, Durchführung, Analyse und Redesign für diesen Versuch ist in Abbildung 1 dargestellt. Die Zielsetzung des Versuches wird zwischen Fachdidaktikern, Lehrinnen und Lehrern und Vertretern der Schulleitung gemeinsam erarbeitet. In die Konkrete Planung des Unterrichtsversuches werden zum ersten Mal Lehramtsstudierende direkt einbezogen. Lehramtsstudierende in NRW sollen in Zukunft im Rahmen ihres Praxissemesters Innovationen aus der Hochschule in die Schule tragen und erproben, so dass sie frühzeitig im Studium mit fachdidaktischen Forschungsmethoden vertraut gemacht werden müssen.

 

Abbildung 1: Ein Kreislauf von Zielsetzung, Planung, Durchführung, Auswertung und neuer Zielsetzung (Re-Design) ist typisch für fachdidaktische Entwicklungsforschung und DBR.

 

Literatur:

Design-Based Research Collective. (2003). Design-based research: An emerging paradigm for educational inquiry. Educational Researcher, 32(1), 5-8.

Prediger, S.; Link, M.; Hinz, R.; Hussmann, S.; Ralle, B. & Thiele, J.: Lehr-Lernprozesse initiieren und erforschen. Fachdidaktische Entwicklungsforschung im Dortmunder Modell. MNU 8/2012 (65), Seite 452.

Johnson, L. & Adams, S., (2011). Challenge Based Learning: The Report from the Implementation Project. Austin, Texas: The New Media Consortium.
Hattie (2009): Visible learning: A synthesis of 800+ meta-analyses on achievement. Routledge, London.

Berthold, C.; Christ, D.; Braam, G.; Haubrich, J.; Herfert, M.; Hilscher, H.; Kraus, J. & Möller, Chr. (2012). Physikalische Freihandexperimente in 2 Bänden. Hallbergmoos: Aulis.

Tukey, J.: (1977): Exploratory data analysis. Addison-Wesley.

Kuhn, J. (2010): Authentische Aufgaben im theoretischen Rahmen von Instruktions- und Lehr-Lern-Forschung. Optimierung von Ankermedien für eine neue Aufgabenkultur im Physikunterricht. Vieweg+Teubner, Wiesbaden.

Internetquellen:

Opens external link in new windowhttp://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/kernlehrplaene-sek-i/gesamtschule/

Andy diSessa erklärt die Motivation hinter „Design-Based Research“ (englisch):
Opens external link in new windowhttp://vimeo.com/35017556

Grundlegende Dokumente zum Design-Based Research:
Opens external link in new windowhttp://www.designbasedresearch.org/publications.html

Das Learning Management System ILIAS:
Opens external link in new windowhttp://ilias.de

Web-Auftritt der Gesamtschule Reichshof:
Opens external link in new windowhttp://www.gesamtschule-reichshof.de